Peter Fellmann 2020
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Die sagenumwobene Calla blüht wieder! Der   Chüserainerwald   in   der   Gemeinde   Neuenkirch   ist   eine   der   wenigen   Stellen   in   der   Schweiz,   wo   die   Calla   (Calla palustris   )   angeblich   natürlich   gedeiht.   Sie   ist   daher   wegen   ihrer   Seltenheit   geschützt.   Häufig   ist   diese   Pflanze   hingegen in   Osteuropa,   Nordamerika   und   Sibirien   zu   finden.   Der   Sumpf-Schlangenwurz   oder   Drachenwurz,   wie   diese   Blume   auch genannt   wird,   wächst   an   Sumpfstellen   und   Ufern.   Der   durchnässte   Boden,   die   Moorteiche   und   die   wassergefüllten Gräben   im   Chüserainerwald   sagen   dieser   Pflanze   zu.   Dank   der   Aufwertung   des   Bruchwaldes   und   der   Schaffung   neuer Moorbiotope konnte sich die Calla in den letzten Jahren sogar ausbreiten. Botanisch   gehört   die   Calla   der   Familie   der   Aronstabgewächsen   (Araceae)   an   und   ist   somit   mit   dem   einheimischen Aronstab (Arum maculatum) verwandt. Der Name „Kalla“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet die Schöne. Sumpf-Schlangenwurz   wird   die   Calla   auch   genannt,   weil   sie   ein   kräftiges,   schlangenähnliches,   stärkereiches   Rhizom (einen   unterirdischen   Spross)   besitzt.   Dieses   wurden   früher   sogar   als   Schweinefutter   genutzt.   Aber   auch   getrocknet   und gemahlen   wurde   es   in   einigen   Gegenden   dem   Brotteig   zugefügt.   Beim   Backen   oder   Trocknen   werden   die   Giftstoffe weitgehend zerstört. Zum   Blühen   kommt   die   Calla   in   den   Monaten   Mai   bis   Juli.   Die   einfachen,   unscheinbaren   Blüten   sitzen   in   grosser   Zahl   auf einem   Kolben   (Spadix)   und   werden   von   einem   Hochblatt   (Spatha)   mantelartig   umgeben.   Dieses   ist   auf   der   Innenseite weiss,   auf   der   Aussenseite   grün   gefärbt   und   verleiht   der   Pflanze   das   besondere,   dekorative   Aussehen.   Bestäubt   werden die    Blüten    durch    kleine    Aas-Fliegen    und    Käfer.    Möglicherweise    übernehmen    auch    Schnecken    diese    Aufgabe.    Die Bestäuber   werden   durch   einen   unangenehmen   Geruch   angelockt.   Die   Früchte,   die   aus   diesen   Blüten   hervorgehen,   sind scharlachrote,   schwimmfähige   Beeren.   In   ihnen   stecken   klebrige   Samen,   die   schwimmend   ausgebreitet   werden.   Sie können   aber   auch   an   Wasservögeln   haften   bleiben   und   durch   sie   verbreitet   werden.   Wie   bereits   angetönt,   ist   diese Pflanze   giftig   und   schmeckt   brennend   scharf.   Auf   der   Haut   kann   sie   Reizungen   hervorrufen.   Weil   das   Rhizom   die   Form einer Schlange hat, schrieben die Mediziner in früheren Zeiten der Calla Heilkräfte gegen Schlangenbisse zu. Die   geheimnisvolle   Erscheinung   und   die   Frage,   warum   diese   in   der   Schweiz   so   seltene   Pflanze   ausgerechnet   im Chüserainerwald   gedeiht,   hat   die   Fantasie   der   Menschen   angeregt.   Eine   Sage   versucht   dieses   Geheimnis   zu   erklären. Nachzulesen ist diese Erzählung auf einer Tafel am Turbemoosweiher, die von der Korporation Sempach errichtet wurde. Der   Glaube   und   die   Hoffnung   einer   Liebenden   führten   die   sagenumwobene   Calla   einst   nach   Sempach.   Der   Same   der Blume   zog   als   Glücksbringer   an   der   Brust   eines   böhmischen   Ritters   in   die   Schlacht   von   1386.   Der   Mann   überlebte   den Kampf   und   versteckte   sich   hier   im   Wald.   Da   aber   fanden   ihn   ein   paar   siegreiche   Eidgenossen,   schlugen   ihn   tot   und warfen   die   Leiche   ins   Moor.   Jahre   später   wurde   an   diesem   Ort   die   schöne   Blume   entdeckt.   Noch   heute   ist   hier   einer   der wenigen natürlichen in der Schweiz. Siehe auch: www.sempach.ch. Hier können Sie die ganze Sage nachlesen.